Netzkrieger auf allen Plattformen

Gepostet von am 27. März 2014

Netzkrieger auf allen Plattformen

Auf der Leipziger Buchmesse fand am 13. März 2014 die Konferenz „mobil, vernetzt, multimedial? Der Weg zum Kunden – Zukunftsstrategien für die Buchbrache“ statt, die von der Akademie des Deutschen Buchhandels/ePublishing Academy veranstaltet wurde. Britta Senn war für uns dabei.

Saskia Kress, Geschäftsführerin und Produzentin bei Filmtank, präsentierte vor Ort zusammen mit Rita Bollig, Leitung Bastei Entertainment, das Transmediaprojekt ‘netwars – out of ctrl’, das neben einer Webplattform und TV Doku auch eine Web Doku, Graphic Novel App, E-Book, Audiobook und TV Serie umfasst. Mit der jetzt gelaunchten Website in deutscher und englischer Sprache und der bevorstehenden Ausstrahlung der TV Doku bei Arte, wollte Britta Senn von Frau Kress wissen, was sie zu ihren Erfahrungen der letzten Monate als Cross Media Produzentin sagen kann.

86siebzig: Frau Kress, Ihr Projekt ‘netwars’ kommt ja erstmal sehr technikbasiert und IT-lastig daher. Wie digital sind Sie persönlich aufgestellt?

Saskia Kress: Ich bin definitiv kein Digital Native. Ich nutze E-Mails und Facebook und teste gelegentlich mal Apps, aber in unserem Team bin ich definitiv die Unnerdigste.

86siebzig: Was unterscheidet Ihre Arbeit als Cross Media Produzentin von der klassischen Dokumentarfilmproduzentin?

Saskia Kress: Man könnte sagen, dass ich mich in den letzten 1,5 Jahren in einer kompletten Überforderung befunden habe. Ich musste mich mit Themen und Begriffen auseinandersetzen, die ich zum ersten Mal gehört habe und die ich nun selbst täglich verwende. Als Beispiel bekomme ich nun in regelmäßigen Abständen ‘Builts’ vorgelegt, die beim Bau einer App das Konzept und Design vorgeben. Am Anfang habe ich noch gesagt: Was soll ich mir anschauen? Es ist einfach eine komplett neue Sprache, die man lernen muss. Und natürlich habe ich es nun mit neuen Projektpartnern und Arbeitskollegen zu tun.

86siebzig: Genau, Sie stehen heute mit Bastei Lübbe am Pult, einem Verlag?

Saskia Kress: Wir brauchen neue Partner, denn die klassischen Förderungen im Filmbereich greifen nicht und auch mit den Fernsehsendern ist die Kommunikation zunehmend beschwerlich. Es war für uns als Produktionsfirma eine folgenreiche Entscheidung zu sagen, dass unser Berliner Büro sich komplett auf Neue Medien-Projekte konzentriert. Es ist bestimmt schon fünf oder sechs Jahre her, da hat mir Inga von Staden, Studiengangsleiterin Interaktive Medien Ludwigsburg, bereits nahegelegt, dass wir uns als Produktionsfirma den digitalen Herausforderungen bald stellen sollten. Es hat dann noch viel Zeit gebraucht bis ich verstehen konnte, was sie meint. Und es wird weiterhin Zeit brauchen, die neuen Prozesse zu entwickeln und die neuen Partner zu finden. Solche Neuausrichtungen kann man nicht gefahrlos machen. Doch mit Bastei Entertainment haben wir einen starken Partner gefunden, der Kompetenzen und Budgets bereithält, z.B. für Marketing, das gibt es bei uns einfach gar nicht. Für beide Seiten ist ‘netwars’ ein Experimentierfeld. Natürlich haben wir uns dennoch wirtschaftliche Ziele vorgenommen, die mit dieser Kooperation erreicht werden sollen, also App und Ebook – Verkäufe, doch vor allem müssen wir hinter dem Projekt stehen und sehen wo es hingeht.

86siebzig: Gibt es noch andere Partner?

Saskia Kress: Mit jedem Projekt gibt es Lerneffekte, die einen erst mal was kosten, die aber auch neue Projektpartner erscheinen lassen. Und das Schöne daran ist, dass die auf einen zukommen. So z.B. Stiftungen oder auch mal ein Architekturbüro. Das hätte ich mir am Anfang dieser Unternehmung nicht denken können. Zugleich brechen aber auch Netzwerke weg, mit denen ich jahrelang gearbeitet habe, befreundete Regisseure, die mir in regelmäßigen Abständen neue Projekte gepitcht haben. Manchmal will ich zum Telefon greifen und dann fällt mir ein, dass das einfach nicht mehr passt.

86siebzig: Personal ist ein gutes Stichwort. Wie sieht Ihre Mitarbeiterstruktur aus?

Saskia Kress: Wir haben einen Game Experten, André Blechschmidt, wir haben Game Designer, wir haben natürlich weiterhin Produzenten wie Michael Grotenhoff, der seit Jahren die neuen Entwicklungen im Blick hat und viele Impulse setzt. Und natürlich haben wir externe Dienstleister und freie Mitarbeiter, beispielsweise für die Social Media Aktivitäten. Das Recruiting dieser neuen Mitarbeiter ist natürlich eine große Herausforderung, da ich deren ‘Währung’ und ‘Arbeit’ nicht kenne und mir daher erst eine Referenz für die Leistungen aneignen musste. Automatisch greift man da auf sein erweitertes Netzwerk und persönliche Empfehlungen zurück. Neben der neuen ‘Sprache’, die wir uns als Brachenfremde erst anlernen müssen ist die räumliche Distanz immer noch die größte Herausforderung.

86siebzig: Gibt es Projekte, an denen Sie sich während der Produktion von ‘netwars’ orientiert hast?

Saskia Kress: Klar, Referenzprojekte helfen bei der Kommunikation. Die Auseinandersetzung mit dem Projekt ‘Farewell Comrades’ hat mir viel beigebracht. Genauso wie die Graphic Novel App ‘Operation Ajax’.

86siebzig: Und wie lautet Ihr Zwischenfazit in Bezug auf Ihre neue Position als Cross Media Produzentin?

Saskia Kress: Ich habe als Journalistin schon immer neue Themen gesucht und ausgetretene Wege verlassen. So bin ich ja ursprünglich auch in der Dokumentarfilmproduktion gelandet und nun geht es mit neuen Dingen weiter. Ich bin sehr zufrieden.

 

Liebe Frau Kress, 86siebzig dankt für das Gespräch und wünscht Ihnen und Ihrem Team viel Erfolg mit ‘netwars – out of ctrl’ und natürlich auch weiterhin viel Freude beim Arbeiten im unbekannten Terrain. Das Interview führte Britta Senn

(Foto: Jacqueline Hoffmann)

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